Station 1

Verfahren zur Digitalisierung von Kulturgütern Wie kommen Alte Filme und Tondokumente ins Netz?

(Autor: Nicolas Schenk, 30.09.2015)

Das Zeitalter der Digitalisierung bringt unter anderem auch die Möglichkeit mit sich, Kulturgüter durch verschiedene digitale Medien zu vermitteln. Neben verschiedenen Textsorten können auch Bilder, Objekte sowie Audio- und Videodateien zugänglich gemacht werden. Die Digitalisierung von Texten mittels OCR, Double Keying oder Handwritten Text Recognition wird als Technik zur Bereitstellung von retrodigitalisierten Wörterbüchern in Raum 1/Station 2 erläutert. Im Folgenden werden Image Digitalisierung, Digitalisierung von Audio- und Videodaten sowie die Digitalisierung dreidimensionaler Objekte erläutert.

Scanroboter der Sächsischen Landesbibliothek -  Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.

Image Digitalisierung

Was bedeutet Digitalisierung eigentlich? Laut Melissa Terras versteht man darunter die Überführung eines analogen Signals oder Kodes in ein digitales Signal oder Kode (2012: 47). Zum vollständigen Digitalisierungsprozess gehören das Erfassen, das Aufbereiten und das Speichern analoger Informationen auf digitalen Medien sowie die Erzeugung von Metadaten und die Langzeitsicherung. 

Unter Image-Digitalisierung versteht man allgemein das Scannen und Fotografieren von Bildern. Die Qualität der gescannten bzw. fotografierten Bilder sollte dem Zweck der Digitalisierung entsprechend ausreichend hoch sein. Generell sollten die Blätter bzw. Seiten oder zu digitalisierenden Objekte mit einem leicht umlaufenden Rand abgebildet werden, damit erkennbar ist, dass nichts von der Vorlage abgeschnitten wurde. Grundsätzlich werden zwei Arten von Digitalisaten unterschieden: Der digitale Master, der als Grundlage für alle weiteren Prozesse dient, und Derivate für die weitere Nutzung, die meist komprimierte Kopien des Masters sind (z.B. zur Darstellung im Web). Da der Master die Grundlage für alle weiteren Bearbeitungen ist, sollte ihm bei der Herstellung besondere Bedeutung zukommen (DFG 2013: 8). Die im Folgenden beschriebenen Richtlinien beziehen sich deshalb auf den Master. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen Leitfaden über Praxisregeln zur Digitalisierung erstellt, aus dem einige Aspekte im Folgenden erläutert werden.

Die Scans bzw. Fotografien bestehen aus Bildpunkten (Pixel), die verschiedene Farbwerte innehaben können. Je größer die Anzahl der Bildpunkte, desto höher die Qualität des Digitalisats. Ein gebräuchliches Maß zur Bestimmung der Auflösung einer Datei ist dots per inch (dpi). Als Untergrenze der Zielauflösung eines Scans sind 300 dpi Standard (DFG 2013: 9). Deutlich höhere Auflösungen sollten bei Vorlagen angestrebt werden, bei denen erst nach Vergrößerung alle relevanten Bildinformationen für das menschliche Auge sichtbar werden. Beispielsweise müsste daher ein Kleinbildnegativ der Größe 24 x 36 mm mit mindestens 3000 dpi digitalisiert werden, wenn es eine Zielgröße von 24 x 36 cm erreichen soll (DFG 2013: 9). Um Helligkeits- und Farbwerte zu unterscheiden, benötigt man die Angabe der Farbtiefe. Die digitale Technik lässt keine kontinuierlichen Helligkeits- und Farbunterschiede zu, sondern bildet nur diskrete Zustände ab (ja/nein --> weiß/schwarz) (DFG 2013: 10). Die Tabelle rechts zeigt die verschiedenen Stufen der Farbtiefe.

Die Stufen der Farbtiefe.

Graustufenbilder bestehen aus einem Kanal (zuständig für die Helligkeit) und haben eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit, wohingegen Farbbilder je einen Farbkanal für Rot, Grün und Blau besitzen und deshalb eine dreifach höhere Farbtiefe von 24 (3 x 8 Bit), bzw. 48 Bit (3 x 16 Bit) innehaben. Je größer also die Farbtiefe ist, desto größer fällt auch die Farbdifferenzierung aus. Der digitale Master sollte eine Farbtiefe von mindestens 8 Bit pro Kanal besitzen (DFG 2013: 10). Nach der weiteren Bearbeitung wird der Master als TIFF-Datei verlustfrei gespeichert (DFG 2013: 14). Das Format JPEG2000 kann ebenfalls für den Master verwendet werden, allerdings gehen bei diesem Format Informationen verloren und es ist weniger verbreitet als das TIFF-Format (DFG 2013: 16). Die Derivate können beispielweise in den Formaten JPEG und PNG gespeichert werden. Das sind kleinere, gängige Formate, bringen gegenüber einer TIFF-Datei allerdings zum Teil Informationsverlust mit sich.

Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG-Praxisregeln »Digitalisierung«, online: http://www.dfg.de/formulare/12_151/12_151_de.pdf [30.06.2015].

Terras, Melissa, Digitization and Digital Resources in the Humanities, in: Digital Humanities in Practice. hrsg. v. Warwick, Claire; Terras, Melissa; Nyhan, Julianne, London 2012, S. 47-70.

Google Books, online: https://books.google.de/ (größtes Korpus in digitaler Form) [30.06.2015]

Nestor, Langzeiterhaltung digitaler Daten in Museen, Digitalisierung von Bildern, online: http://files.dnb.de/nestor/sheets/16_digi_bilder.pdf [30.06.2015].

Nestor, Langzeiterhaltung digitaler Daten in Museen, Digitale Bilder, online: http://files.dnb.de/nestor/sheets/10_bilder.pdf [30.06.2015].