Freier Zugang in der Debatte

Normative Grundpositionen in der Diskussion um Open Access

(Autorin: R. Bruchertseifer, 27.04.2016)

 

Es ist über zwanzig Jahre her, dass es in der Wissenschaft zur Zeitschriftenkrise kam, weil viele Bibliotheken wegen knapper Budgets an Abonnements für teure Fachzeitschriften sparten, wodurch sie jedoch die Zeitschriftenpreise indirekt weiter in die Höhe trieben. Unter anderem in Folge dieser Krise, und dank der zunehmenden Vernetzung über das Internet, gewann mit Open Access eine neue Form des Publizierens in der Wissenschaft an Bedeutung. Doch auch nach zwei Jahrzehnten bleibt diese Option umstritten.

 

Das größte Konfliktpotenzial in der Auseinandersetzung um das Für und Wider von Open Access haben ohne Zweifel normative Standpunkte. Was aber sind die Positionen, die gewöhnlich vertreten werden?

 

Gegner von Open Access sehen das Recht auf freie Publikation in Gefahr, weil viele Universitäten Open Access unterstützen, und deren Angestellte sich unter Druck gesetzt fühlen, ihre Werke in dieser Form – also online, und zumeist kostenlos – zur Verfügung zu stellen.

 

 

In diesem Kontext fürchten viele Wissenschaftler zudem um ihre intellektuellen Rechte, was besonders 2009 im Heidelberger Appell zum Ausdruck kam. Zwar wurde das Urheberrecht in Folge der rasant steigenden Verbreitung von Online-Publikationen in der jüngsten Vergangenheit wiederholten Reformen unterzogen, um es an die neuen Publikationsmöglichkeiten anzupassen. Durch diese häufigen Änderungen ist die ohnehin unübersichtliche Gesetzeslage für die Autoren aber nicht leichter durchschaubar geworden.

 

Befürworter von Open Access betonen dagegen, dass potenzielle Leser wissenschaftlicher Publikationen ein Recht auf freien Zugang zu diesen Werken haben, da die der Veröffentlichung zugrundeliegende Forschung häufig aus öffentlichen Mitteln gefördert wurde. Hinzu kommt die Überzeugung vom gesellschaftlichen Auftrag des Wissenschaftlers: Von diesem Standpunkt aus betrachtet, kann die logische Konsequenz nur sein, die Ergebnisse der eigenen Forschung der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen, damit die für die Gesellschaft geleistete Arbeit dieser auch tatsächlich zur Verfügung steht.

 

Weiterhin wird in Open Access ein Weg gesehen, Forschern aus ärmeren Ländern oder Ländern mit mangelhafter Wissenschaftsförderung den Zugang zu und die Verbreitung von Forschungsergebnissen zu erleichtern.

 

Auch wenn die Akzeptanz von Open Access inzwischen offensichtlich recht hoch ist, wie die Unterstützung durch namhafte Institutionen wie die DFG zeigt, hat diese Publikationsform doch noch nicht die gleiche Reputation wie kostenpflichtige, mehrheitlich gedruckte Angebote. Die Überzeugungen der Befürworter sind also nicht von der Hand zu weisen, aber hinter den Positionen der Gegenseite stehen nicht nur Vorurteile, sondern auch ganz reale Mängel und Kritikpunkte, die berücksichtigt und gegebenenfalls behoben werden müssen.