Open Access

Open Access

(Autor: Matthias Schneider, 30.09.2015)

Überblick

In zunehmendem Maße werden Texte, Bilder, Photographien oder auch Programmcodes und Forschungsprimärdaten (z.B. Ergebnisse aus Umfragen oder von Messungen) im Internet kostenlos bzw. frei zur Verfügung gestellt. Die jeweiligen Urheber verzichten hierdurch auf die exklusive Nutzung ihrer Verwertungsrechte (vorausgesetzt, es handelt sich nicht um illegal erzeugte und online gestellte Kopien der Werke).

 

 

Warum halten es viele Urheber für sinnvoll, ihre Werke kostenlos zur Verfügung zu stellen? Sie erschaffen sich hierdurch

  • eine größere Sichtbarkeit und Wahrnehmung
  • häufigere Zitation
  • Bereitstellung eines kostenneutralen Zugangs zur Literatur unabhängig von persönlichem oder institutionellem Vermögen
  • verbesserte Verfügbarkeit, auch langfristig

Frei verfügbare und bestenfalls nachvollziehbar lizensierte Inhalte können von Dritten problemlos - d.h. ohne dass man rechtliche Konsequenzen fürchten muss - im Internet bereitgestellt, geteilt, kopiert und an Interessenten versandt werden. Auch die Bearbeitung der Werke kann durch den Rechteinhaber erlaubt werden, z.B. durch eine CC BY-Lizenz. Hierdurch steigt die Möglichkeit zur Rezeption sehr stark an. Wird ein Text oder ein anderes Werk vermehrt wahrgenommen, erhöht sich auch die Sichtbarkeit des betreffenden Autors. Zudem kann er durch die intensivere Diskussion mehr Impulse für seine weitere Arbeit erhalten als bei einem eingeschränkten Zugriffsmodell. Die freie Bereitstellung von Inhalten in Standardformaten hat außerdem den Vorteil, dass Informationsressourcen unabhängig vom persönlichen Vermögen oder der Literaturbudgets von Universitätsbibliotheken genutzt werden können. Dies gilt insbesondere für die Rezeption in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch mit Blick auf die teils exorbitant hohen Lizenzkosten einiger Verlagskonsortien (Universität Leipzig 2015).

Die Möglichkeit, Inhalte ohne rechtliche Hürden zu duplizieren, ermöglicht es zugleich, die betreffenden Medien ohne vorherige rechtliche Prüfung oder Lizenzvereinbarung in große Archivsysteme wie das Internet Archive einspeisen zu können. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Inhalte auch dann noch auffindbar sein werden, wenn die private Homepage einmal abgeschaltet werden sollte oder man nicht mehr auf der Seite seiner Universität samt Publikationen aufgelistet ist. Transparente Lizensierungsmodelle tragen somit erheblich zur Reduzierung von rechtlichen Hürden bei der Langzeitarchivierung und Zugänglichmachung von Inhalten bei.

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet Fachzeitschriften aus diversen Disziplinen, deren Artikel als open access lizensiert sind. Eine Heatmap von Ulrich Herb (Stand 2. Steptember 2015) visualisiert die geographische Verteilung der Zeitschriften weltweit geordnet nach Staaten:

 

Einführung in Open Access

Open Access und Verlage

 

Kritische Positionen zu Open Access

Die Forderung nach Open Access (OA) ist nicht unumstritten geblieben. Kritik entzündet sich insbesondere an den Fragen nach den tatsächlichen Kosten von OA-Veröffentlichungen, einer möglichen Einschränkung der Publikationsfreiheit durch Vorgaben von Mittelgebern und der Qualitätssicherung im Rahmen von Open Access-Publikationen.

Immer wieder wird diskutiert, ob und welche Kostenersparnis durch die Veröffentlichung von Inhalten unter einer OA-Lizenz entstehen. Auch wenn per definitionem der Zugriff auf die fertigen Inhalte kostenfrei ist, können sie nicht ohne Personal- und Sachaufwand hergestellt werden. Ein gängiges Modell zur Finanzierung dieser Aufwendungen ist, dass Autoren für die Veröffentlichung ihrer Texte eine Gebühr bei der betreffenden Zeitschrift oder dem jeweiligen Verlag entrichten (publication fee). Uwe Jochum (2009) berechnet anhand eines Beispiels etwa die aus seiner Sicht aus OA-Gebühren resultierenden Mehrkosten für den Steuerzahler im Vergleich zu traditionellen Zeitschriftenabonnements. Problematisch erscheint hierbei der Vergleich von traditionellen Abonnementkosten einer germanistischen Zeitschrift mit einem Mittelwert, der aus Publikationsgebühren von Zeitschriften aus den Bereichen Naturwissenschaften, Technik und Medizin (STM) errechnet wurde. In diesem Bereich sind die Publikationsgebühren ebenso wie die Abo-Kosten im Print traditionell höher als in den Geisteswissenschaften.

Im Sinne wirtschaftlicher Vorteile von OA wird zuweilen eingewendet, dass auch im traditionellen Publikationsbereich Druckkostenzuschüsse gezahlt wurden und werden, etwa um ein Buch bei einem Verlag erscheinen zu lassen. Diese Kosten liegen nicht selten in einem vier- bis fünfstelligen Bereich. Des Weiteren existieren OA-Zeitschriften, die sich etwa aus den Mitgliedsbeiträgen der sie tragenden Vereine finanzieren (s. Digital Humanities Quaterly, getragen von der Association of Digital Humanities Organizations (ADHO)). Durch solche Konkurrenzmodelle sollen den traditionellen Publikationswegen Alternativen gegenüber gestellt werden, die mittelfristig zur ökonomischen Entlastung der Wissenschaftsfinanzierung beitragen sollen.

Verschiedene Geschäftsmodelle stellt die Seite Open-Access.Net (2015) vor.

Bibliographie

Budapest Open Access Initiative (2002), online: http://www.budapestopenaccessinitiative.org/translations/german-translation [09.07.2015].

Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities, 22.10.2003, online: http://openaccess.mpg.de/Berliner-Erklaerung [09.07.2015].

Jochum, Uwe, Was »Open Access« kostet. Ein Beispiel aus den Geisteswissenschaften, 22.05.2009, online: http://www.textkritik.de/digitalia/kosten_dvjs.pdf [06.07.2015].

o.A., Geschäftsmodell, in: Open Access - Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information, online: https://open-access.net/informationen-zu-open-access/geschaeftsmodelle/ [14.07.2015].

Universität Leipzig, Universität Leipzig bricht Verhandlungen mit Wissenschaftsverlag Elsevier ab, online: http://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/nachrichten.html?ifab_id=5896&ifab_modus=detail [09.07.2015].